Vom Pilotprojekt zum Alltag: E-LKWs auf dem Weg zur Normalität
- Johannes Sommer
- 2. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Batterieelektrische LKW sind eine zentrale Säule der grünen Transformation im Straßengüterverkehr. Doch hohe Anschaffungskosten, begrenzte Reichweiten pro Ladezyklus und eine noch unzureichende Ladeinfrastruktur machen die Umstellung anspruchsvoll. Ich habe mit Roland Löffler gesprochen – einem erfahrenen Berater, der zahlreiche E-LKW Projekte begleitet hat – und mit ihm über den aktuellen Stand und die Herausforderungen der Transformation gesprochen.

Wie bist du zum Thema batterieelektrische LKW gekommen?
Nach 20 Jahren Vertriebs- und Projekterfahrung im Bereich Schwerverkehr habe ich während meines berufsbegleitenden Studiums „Energy Innovation Management“ erkannt, dass der Einsatz von emissionsfreien LKW eine gute Chance zur Dekarbonisierung von Verkehren bringt. Seit 2021 beschäftige ich mich mit der gesamten Kette an Fragen rund um dieses Thema, und habe Ende 2021 mein eigenes Beratungsunternehmen - zunächst auf Basis einer nebenberuflichen Betätigung - gegründet.
Wie berätst du Deine Kunden?
Im Wesentlichen begleite ich Kunden von der Phase der ersten Planung, der Kalkulation, den Förderansuchen, bis hin zur Umsetzung ihrer Projekte. Dies umfasst sowohl das Thema emissionsfreier LKW als auch die dazu gehörige Versorgungsinfrastruktur, bspw. Ladestationen, PV Anlagen und Speicher. Nicht zu vergessen ist auch das interne und externe Reporting.
Wann hast du das erste Projekt zur Implementierung eines BEV-LKWs begleitet und für wen?
Die ersten Projekte wurden bereits im Jahr 2022 umgesetzt. Es handelte sich hierbei um Kunden aus dem Bereich Getränkeindustrie, der Werkslogistik und der Entsorgungsbranche. Die Kunden hinter diesen Projekten kann man als absolute Pioniere in Österreich bezeichnen. Das Gute daran ist, dass alle Fahrzeuge sogar besser und effizienter als ursprünglich geplant ihren Einsatz bis heute verrichten.
Wie viele Trucks durftest du schon implementieren?
In Summe war ich in Österreich, aber auch im Ausland, bei Projekten mit in Summe mehr als 100 Fahrzeugen involviert. Ein wichtiger Umsetzungstreiber war die in Österreich bereits mehrmals lancierte Förderung im Rahmen des Programmes ENIN.
Frächter schauen natürlich auf die TCO, wenn Sie einen neuen LKW anschaffen. Wie schaut diese Rechnung grob bei den BEVs im Vergleich zum Diesel aus?
Entscheidend für einen validen Vergleich der TCO-Kosten sind folgenden Faktoren: Werteverzehr, Stromkosten, Kosten für die Maut und Wartungskosten. Richtig eingesetzt, und vor allem auch mit einem günstigen Strompreis, ist der Einsatz von E-LKWs bereits wirtschaftlich darstellbar.
Ein wesentlicher positiver Punkt für einen wirtschaftlichen Betrieb sind auch Förderungen. Hier gibt es immer wieder in verschiedenen Ländern Möglichkeiten, um die noch hohen Investitionskosten durch Förderungen für die Anschaffung und den Betrieb der Fahrzeuge zu reduzieren.
Hattest du schon ein Projekt, wo BEVs ohne Förderungen angeschafft wurden?
Ja, es gab auch schon Kunden, welche E-LKWs ohne Förderung angeschafft haben. Die überwiegende Anzahl betrachtet eine mögliche Umsetzung der Projekte aber stets unter Miteinbeziehung von Förderungen.
Hast du den Eindruck, dass die Industrie bereit ist, eventuelle Mehrkosten zu bezahlen? Was sind da die Rückmeldungen Deiner Kunden?
Die Bereitschaft der Industrie für die Übernahme von Mehrkosten hängt stark vom Unternehmen und deren Geschäftsführung ab. Ich würde dies aus meiner Wahrnehmung nicht unbedingt nach der Unternehmensgröße oder der Branche heraus bewerten. Wenn sich die Mehrkosten in einem gewissen Rahmen halten gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen immer wieder Betriebe die bereit sind Schritte zu setzen um sich als nachhaltiges Unternehmen zu positionieren.
Ein wichtiger Eckpfeiler für die Einsatzfähigkeit von BEVs ist die Reichweite mit einer geladenen Batterie. Heute ist das oft mit 300 – 400 km beschränkt. Was sind die häufigsten Anwendungsfelder?
Man sollte nicht den Anteil an Regionalverkehren, mit einer Tagesfahrleistung von unter 300 km unterschätzen. Gerade in Österreich und Deutschland sind diese Verkehre häufig. Typische Anwendungsfelder sind unter anderem die Entsorgungsbranche, die Lebensmittellogistik und die Werkslogistik.
Ich durfte aber auch schon bei der Umsetzung von Kranfahrzeugen, Kippern und vielen anderen Einsätzen mitwirken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Ladeinfrastruktur. Wird hier aus Deiner Sicht genug getan, um die Einsatzfähigkeit der LKWs zu verbreitern?
Wir sind hier beim klassischen Henne – Ei Thema. Ohne Nachfrage kein Angebot und ohne Angebot keine Nachfrage. Um diese Problematik zu überwinden haben sich u.a. OEMs zusammengeschlossen, um öffentliche Ladeinfrastruktur aufzubauen. Wir sehen, dass die Landkarte der europäischen Ladeinfrastruktur (vor allem im hochrangigen Straßennetz) stetig verdichtet wird.
Außerdem haben bereits viele E-LKW Betreiber erhebliche Investitionen in eine betriebseigene Ladeinfrastruktur getätigt.
Ein Blick in die Glaskugel: Wie siehst du die Entwicklung für den E-LKW? Wie werden sich der Preis und die Reichweite entwickeln?
Der Preis und die Reichweite von BEV-Trucks hängen sehr stark von der Entwicklung der Batterien ab.
Zu den Kosten: Im Jahr 2010 war der Batteriepreis für BEVs bei etwa $ 1200,-- / kwh (für PKWs). Aktuell liegt dieser Wert bei $ 130,--. Experten gehen davon aus, dass er in den nächsten Jahren auf unter $ 100,-- fallen wird. Des Weiteren können wir von Skaleneffekten ausgehen, wenn größere Stückzahlen produziert werden.
Zur Reichweite: die hängt stark davon ab, ob es gelingt, die Energiedichte der Zellen zu verbessern. Mit dem heutigen Stand würde eine höhere Reichweite einen größere und vor allem schwerere Batterie bedeuten. Hier ist ein Blick in die Kristallkugel schwer – vor allem weil gerade an unterschiedlichen Batterietypen geforscht wird. Ich bin aber optimistisch, dass wir auch in dem Bereich in den kommenden Jahren Fortschritte sehen werden.
Zusammenfassend bin ich überzeugt, dass in ein paar Jahren niemand mehr fragen wird, ob BEV-Trucks funktionieren, sondern nur noch: Warum haben wir nicht früher damit angefangen?
Lieber Roland, vielen Dank für das Gespräch!


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